„Am 5. August 1948 bin ich aus der Kriegsgefangenschaft gekommen. Da haben die Glocken geläutet.“ — Heinz Bußmann
Doch es sind nicht nur die Erlebnisse mit dem Roruper Kirchenchor, an die sich Bußmann noch gut erinnern kann. Da ist auch die Zeit des Zweiten Weltkrieges. 1941 kam er auf das Amt Rorup, wurde 1943 zum Arbeitsdienst eingezogen, kam nach einem Jahr Ausbildung an die Front. In Königsberg geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, kehrte erst 1948 nach Rorup zurück. „Am 5. August 1948 bin ich aus der Kriegsgefangenschaft gekommen. Da haben die Glocken geläutet“, berichtet Bußmann. Anschließend arbeitete Bußmann wieder auf dem Amt Rorup. Nach der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 ging es zum Kreis Coesfeld.
Gefeiert wird der 100. Geburtstag im Kreis der Familie. Vier Kinder, sieben Enkelkinder und sieben Urenkel hat Heinz Bußmann. Und die Familie wird sich heute in Rorup zum Kaffee an der Geburtstagstafel versammeln. „Vorher ist meine Mittagspause. Die mache ich auch an meinem Geburtstag“, sagt Bußmann. Eigentlich wollte er seinen Geburtstag gar nicht feiern. Doch die Familie hatte andere Pläne. „Die kommen einfach, das Haus wird gut voll“, sagt Heinz Bußmann. Auch eine Schwägerin kommt dazu. „Sonst gibt es leider niemanden mehr“, sagt Bußmann mit Blick auf Freunde oder Bekannte. „Ende 80 oder 90 wollte ich ja werden, aber dass ich die 100 schaffe, hätte ich nicht gedacht“, sagt er offen.
Die Musik hat im Leben von Heinz Bußmann eine wichtige Rolle gespielt. So auch nach seiner Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft. „Zwei Tage später war Chorprobe“, erinnert er sich. Regelmäßig wurde im Hochamt gesungen. Am 16. Januar 1951 gab es dann die Gründungsversammlung des heutigen Roruper Kirchenchores. Fast 50 Leute kamen und Heinz Bußmann gehörte zu den Sängern der ersten Stunde. Gleichzeitig übernahm er im ersten Vorstand das Amt des Kassierers. „Im Chor war es immer gesellig“, sagt Heinz Bußmann. Neben den Messen wurde auch Theater gespielt.
„Ende 80 oder 90 wollte ich ja werden, aber dass ich die 100 schaffe, hätte ich nicht gedacht.“ — Heinz Bußmann
Über 50 Jahre gehörte die Probe am Dienstagabend fest zum Tagesablauf. Kaum eine Probe wurde ausgelassen. Auch seine Frau und zwei Töchter sangen zwischenzeitlich im Chor mit. „Wir haben tolle Fahrten gemacht und viele schöne Stunden gehabt.“ Auch wenn er nicht mehr aktiv singt, spielt die Musik weiterhin eine große Rolle. Gerne schaut er sich Konzerte oder Musiksendungen im Fernsehen an. Vielleicht gibt es für den ältesten Roruper ja auch an seinem 100. Ehrentag ein musikalisches Ständchen.
Im November möchte Heinz Bußmann dann gemeinsam mit dem Kirchenchor Rorup feiern. In diesem Jahr feiert der Chor nämlich sein 75-jähriges Bestehen. Für Sonntag, 22. November, ist eine Jubiläumsmesse geplant. Einen Großteil der Chorgeschichte hat Heinz Bußmann schließlich mitgeschrieben.
